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Wie sich Industrieunternehmen „AI-ready“ und zukunftsfit machen

  • Autorenbild: Romano Roth
    Romano Roth
  • vor 4 Tagen
  • 4 Min. Lesezeit
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Wenn Menschen, Maschinen und Algorithmen als „Team“ arbeiten, entsteht mehr als Automatisierung – eine lernende und resiliente Fabrik. Doch wie gelingt Industrieunternehmen der Sprung in die KI-Ära, ohne den Menschen zu verlieren?


In Zeiten, in denen der Effizienz-, Kosten- und Differenzierungsdruck steigt, geopolitische Spannungen, Lieferkettenrisiken und Nachhaltigkeitsanforderungen zunehmen und Ressourcen genauso wie Fachkräfte knapper werden, müssen sich Industrieunternehmen „AI ready“ machen. Und zwar schnell.


Bereits heute zeigen Fallbeispiele, dass KI gestützte Werke bis zu 20 Prozent höhere OEE-Werte (Overall Equipment Effectiveness) erreichen als klassische Fabriken. Daten in Echtzeit analysieren, Wartungszyklen proaktiv steuern und Lieferketten vernetzen: Das senkt Kosten und erhöht die Resilienz. Mit frühzeitigen KI Investitionen erzielen Unternehmen also messbare Wettbewerbsvorteile und gestalten aktiv ihre Zukunftsfähigkeit.


Der Fokus verlagert sich von reiner Automatisierung hin zu echter Autonomie – selbstlernende, selbststeuernde Systeme unter menschlicher Aufsicht. Der Weg dahin ist kein Sprung, sondern eine Entwicklung.


In Reifegraden lässt sich messen, wie Unternehmen die Interaktion zwischen Mensch und Maschine Schritt für Schritt auf ein neues Level heben können – von kontextbasierten Optimierungsempfehlungen der KI (Assistenz) über gemeinsame Lösungsfindung (Ko-Kreation) oder Orchestrierungs- und Priorisierungsaufgaben (Moderation) bis hin zu KI-Systemen, die sich selbst regulieren oder „heilen“ (Hochautonomie) – mit dem Menschen als Supervisor.


So gelingt der Aufbau einer KI-gestützten Organisation

Technologische Komplexität, fehlende Skills bei den Mitarbeitenden, regulatorische Hürden und kulturelle Vorbehalte bremsen viele Pilotprojekte aus. Ohne robuste Datenarchitektur und verlässliches Mlops Framework (Machine Learning Operations) bleiben KI Modelle Einzellösungen. Zudem erfordert der Übergang von der silobasierten Linienorganisation zu agilen, funktionsübergreifenden Teams viel Führungsarbeit und aktives Change Management.


Die Implementierung von KI ist selbstredend kein Plug-and-Play-Projekt. Es braucht einen ganzheitlichen Ansatz, der Mensch und Technologie zusammen denkt. Vier Dimensionen erweisen sich auf dem Weg zum „Cybernetic Enterprise“ als besonders erfolgskritisch:

  • Datengetriebene Produktion: Wenn die Sensorik kontinuierlich den notwendigen „Rohstoff“ liefert, kann Edge-KI die Daten direkt an der Maschine verarbeiten – ohne Umwege über die Cloud. Das spart Zeit, erhöht die Reaktionsgeschwindigkeit und minimiert Ausfallzeiten.

  • Plattformbasierte Architektur: Offene Schnittstellen und digitale Zwillinge ermöglichen die tiefgreifende Vernetzung von Entwicklungs-, Produktions- und Serviceprozessen. Eine skalierbare Plattform bildet die Basis für eine schnelle, sichere, flexible und anschlussfähige Nutzung von KI-Anwendungen.

  • Lernende Systeme: Eine Organisation ist ständig in Bewegung – wie ein lebendiges System. Dafür sind Feedback-Loops essentiell. Sie bilden das Herzstück kontinuierlicher Weiterentwicklung und Optimierung.

  • Der Mensch als Dirigent: Kollaborative Roboter (Cobots) übernehmen monotone Aufgaben. Menschen orchestrieren die Wertschöpfung – unterstützt durch Explainable AI, die Entscheidungen, Vorhersagen oder Empfehlungen eines KI-Systems für Menschen nachvollziehbar macht und damit Transparenz und Vertrauen schafft.


Warum eigentlich „cybernetic“? In den letzten 15 bis 20 Jahren war die digitale Transformation das Maß der Dinge. Doch im KI-Zeitalter greift das kurz – inhaltlich wie begrifflich. Der Kybernetik-Begriff leitet sich vom griechischen Wort für „Steuermann“ ab und bezeichnet Regelungsprinzipien in komplexen Systemen – Rückkopplung und zirkuläre Prozesse spielen hier eine zentrale Rolle. Damit eignet er sich hervorragend, um Modelle für die Zusammenarbeit zwischen Mensch und KI zu beschreiben.


„Cybernetic Transformation“: Schritt für Schritt

Um den Wandel zum „Cybernetic Enterprise“ zu gestalten, braucht es einen trittfesten Transformationspfad. Ein erprobter Fahrplan hilft Unternehmen dabei, Stolpersteine zu umgehen oder zu beseitigen:

  1. Vision und Use Cases priorisieren: Ein klares Zielbild ist unerlässlich. Zudem machen realistische Anwendungsfälle, die sowohl Quick Wins als auch langfristiges Potenzial bieten, den Einstieg greifbar – vom Condition Monitoring bis zur autonomen Intralogistik.

  2. Datenstrategie definieren: Wer verantwortet welche Daten? Wie wird Governance organisiert? Welche Sicherheitsstandards gelten? Eine Datenstrategie muss diese zentralen Fragen klären.

  3. Platform Engineering etablieren: Es empfiehlt sich, zentrale Plattformteams aufzubauen, die Devsecops-Pipelines (Development, Security, Operations), Self-Service-APIs und standardisierte Infrastruktur-Komponenten (Microservices) automatisiert bereitstellen. Sie sind zentrale Enabler für das eigenständige, schnelle und sichere Arbeiten mit KI-Produkten.

  4. Belegschaft befähigen: Weiterbildung ist Pflicht. Ob Upskilling, Citizen Data Scientist-Programm oder KI-Ethik-Training – Mitarbeitende müssen dazu in der Lage sein, mit der Technologie „im Team“ zu arbeiten. Denn hier geht es um nicht mehr und nicht weniger als einen Paradigmenwechsel.

  5.  Skalierung und Betrieb sichern: KI-Systeme brauchen klare Prozesse für Edge-Deployment, Model Lifecycle Management und Compliance-Checks, damit der Laden läuft.


Oder doch lieber „Industrie 5.0“?

Nachdem wir über so viele Jahre mit dem Begriff Industrie 4.0 operiert haben, wirkt es verführerisch, hier einfach das neue Release auszurufen. Doch Vorsicht: Der Begriff verleitet dazu, Industrie 4.0 für abgeschlossen zu erklären – obwohl viele ihrer technologischen Grundlagen wie Robotik, IoT (Internet of Things) und KI erst jetzt ihren produktiven Durchbruch erleben.


Neu ist die noch stärkere Fokussierung auf den Menschen, auf Resilienz und Nachhaltigkeit – so hat die EU‑Kommission diese industrielle Phase bereits vor einigen Jahren definiert. Doch solange „5.0“ eher Buzzword und Narrativ als belastbarer Reifegrad ist, sollten Unternehmen das Etikett kritisch prüfen, sich an den Prinzipien der „Cybernetic Enterprise“ orientieren und pragmatisch auf konkrete Geschäftsergebnisse konzentrieren.


Mensch und Maschine: Wettbewerbsvorteil und unschlagbares Team

In der Organisation der Zukunft gibt es keine Trennung mehr zwischen menschlicher Intelligenz und maschineller Präzision – es entsteht ein neues Betriebssystem für Wertschöpfung: kollaborativ, lernfähig, resilient.


Wer den Mut hat, den Menschen in den Mittelpunkt zu stellen und KI verantwortungsvoll zu orchestrieren, gestaltet nicht nur Prozesse neu – sondern auch die Kultur des Miteinanders. Der Weg zum „Cybernetic Enterprise“ ist kein Trend, sondern ein Evolutionsschritt. Und er beginnt jetzt.



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Romano Roth

Chief of Cybernetic Transformation

presse@zuehlke.com

+41 43 216 66 11

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©2023 by Romano Roth

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